Monatsrückblick September

Nun, was soll ich sagen, die Zeit rennt und ich renne mit. Wieder ist ein Monat zu Ende. Es wird wieder früher dunkel, im Supermarkt füllen sich die Regal mit Lebkuchen und Domino-Steinen. Der Herbst ist in vollem Gange. Zeit für einen Blick zurück:

Gelesen

  • Faust. Der Tragödie erster Teil von Johann Wolfgang von Goethe
  • Instructions for British Servicemen in Germany 1944
  • Odysseus. Verbrecher von Christoph Ransmayr
  • Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne
  • Amerika, ein Theaterstück von – ähm, ich habe den Autoren vergessen

Faust ist für mich eines der genialsten Werke der Literaturgeschichte. Schon der Einstieg mit den verschiedenen Vorspielen hat mich fasziniert, Faust erster Monolog dann völlig vom Hocker gerissen. Ich war während der ersten Seiten im Hotel und begann, laut zu rezitieren. Später bemerkte ich dann, dass die Wände extrem dünn und schalldurchlässig sind 😀 Besonders mag ich die Gelehrtentragödie und die Figur des Mephisto sowie die Beziehung zwischen ihm und Faust. Meiner Meinung nach gilt das Werk zu Recht als „der Klassiker schlechthin“.

Instructions for British Servicemen in Germany 1944 ist ein dünnes Bändchen, ein Original-Leitfaden von 1944, der Britische Angestellte über die Geschichte, das Leben und die ganz allgemeine Situation in ehemaligen Nazi-Deutschland aufklären sollte. Er war gedacht für Menschen, die zum ersten Mal wirklich in Deutschland sind. Aus heutiger Sicht wirkt er an manchen Stellen fast skurril, an anderen wiederum wird sehr treffend die Situation im besiegten Deutschland beschrieben. Auf jeden Fall ist es wert, dass man mal hineinschaut.

Odysseus. Verbrecher von Christoph Ransmayr erzählt von Gewalt und den Mechanismen, die zu Gewalt führen. Es verdreht die Odysseus-Sage so klug, dass man das Szenario fast für wahrscheinlicher hält als den tatsächlichen Inhalt der Sage. Ransmayr habe ich erst vor kurzem für mich entdeckt. Sein Schreibstil ist toll, poetisch und vor allem sehr vielseitig.

Ich wundere mich über mich selbst, dass ich Der Junge im gestreiften Pyjama nicht schon vor Jahren gelesen habe. Als ich jünger war, kam es mir zu deprimierend vor, ich hatte ehrlich gestanden etwas Angst vor dem Tod der Protagonisten. Jetzt, wo ich das Buch gelesen habe, sehe ich diese Furcht als völlig unbegründet. Im Roman geht es nicht um das Ende, sondern darum , wie Bruno in seiner kindlichen Naivität mit der Situation im Dritten Reich umgeht. Besonders gefallen haben mir die Verfremdungen bekannter Wörter und die Art, wie all der Schrecken und die Gewalt durch den kindlichen Blickwinkel aufgedeckt werden.

Amerika handelt von den Hoffnungen und Enttäuschungen einer Flucht. Es spielt in einer seltsamen Zwischenwelt aus Vergangenheit und Gegenwart. Eine Gruppe armer Schweizer wandert nach Amerika aus. Die Hoffnungen, die sie in das Land gesetzt haben, werden allerdings bitter enttäuscht. Zwar ist das Thema brandaktuell, wie Amerika die Problematik behandelt, finde ich allerdings merkwürdig. Das Stück ist teilweise sehr extrem, gleichzeitig auch seltsam träge. Immer wieder sind Monologe eingeschoben, Rückblenden und Erklärungsversuche. Eine gute Idee, in der Umsetzung eher mäßig.

Gehört

Es ging weiter mit Werken von Andreas Eschbach. Diesen Monat nahm ich mir Ein König für Deutschland vor. Es geht darin um die Manipulierbarkeit von Computern, genauer gesagt Wahlcomputern, den Folgen der Macht und die Probleme unserer heutigen Gesellschaft in Deutschland. Manchmal ist mir Eschbachs Schreibstil etwas zu sachlich. Aber nach dem Hören denkt man über das Thema auf jeden Fall weiter nach. Sein Ziel hat der Autor also erreicht.

Gesehen

  • Die Bestimmung nach dem Roman von Veronica Roth
  • Einen Vortrag von Vince Ebert zum Thema Evolution

Zum Fernsehen komme ich einfach nicht besonders viel. Was ich diesen Monat gesehen habe, hat sich allerdings gelohnt. Die Bestimmung war für eine Jugend-Dystopie-Verfilmung ziemlich gut, auch wenn manche Aspekte aus dem Buch (ich habe es vor einigen Jahren gelesen) nicht ganz vermittelt werden. Auf jeden Fall eine sinnvolle Alternative zu Panem und Co., besonders, wenn man die weitere Entwicklung der Handlung in Teil zwei und drei der Trilogie berücksichtigt.

Vince Ebert ist Physiker und Comedian und verbindet Witze mit Wissenschaft. Sein Vortrag über die Evolution lief vor einigen Tagen im Fernsehen. Ich war, muss ich sagen, hellauf begeistert. Die Evolution als Aneinanderreihung von Anekdoten zu erzählen mit Ausflügen in Bakteriengenetik, das Reich der Pilze und schließlich die Entstehung des Menschen, hat hier großartig funktioniert. Einziges Manko: Der sehr pathetische Schluss inklusive sphärischer Klavier-Musik.

 

Advertisements

Monatsrückblick August

Besser spät als nie… Der August ist schon eine ganze Weile vorbei und endlich habe ich die Zeit dazu gefunden, ihn noch einmal Revue passieren zu lassen. Schön war er nicht, eher verregnet und kalt. Das Positive daran: Ich hatte viel Zeit zum Lesen:

Gelesen

  • Perfect Memory von Dominic O´Brien
  • Es wird keine Helden geben von Anna Seidl
  • Des Teufels General von Carl Zuckmayer
  • Gleitschirmfliegen (Ein Gleitschirmlehrbuch)
  • Die Chemie des Todes von Simon Beckett

Das erste Buch auf der Liste habe ich mir in meiner maßlosen Sherlock-Holmes-Sucht aus der Stadtbücherei ausgeliehen, weil ich Gedächtnistraining mit der Serie „SHERLOCK“ verknüpfe. Die Lektüre hat sich auf jeden Fall gelohnt, ich konnte einige Kniffe in meinen Alltag einbauen. Ein paar der Anregungen für den letzten Artikel stammen aus diesem Buch. Es wird keine Helden geben handelt von dem schwierigen Weg zurück ins ’normale Leben‘, den eine Schülerin nach dem Amoklauf an ihrer Schule gehen muss. Eigentlich dreht sich die Handlung aber um Schuld, Trauer und den Sinn des Lebens. Die Autorin (sie ist erst 19) geht diesen Fragen auf einfühlsame und kluge Weise nach. Wirklich lesenswert! Des Teufels General ist einfach ein Klassiker. Manchmal liegen den Charakteren die Botschaften des Autors etwas zu deutlich im Mund, aber im Großen und Ganzen zeigt das Drama großartig, wie ein Mann seine Ideale für seine Begeisterung verrät und am Ende daran zugrunde geht. Die Chemie des Todes ist ein hochspannender Krimi, den vor allem die wissenschaftlichen Aspekte so interessant machen. Die Hauptfigur ist forensischer Anthropologe und kennt sich bestens damit aus, was mit einem Körper nach dem Tod geschieht. Ekelhaft und faszinierend zugleich.

Gehört

Der Nobelpreis von Andreas Eschbach. An Eschbachs Romanen mag ich die vielen Hintergrundinfos, die dem Leser (oder Hörer) während er liest Einblick in ein ganzes System verschaffen. Die Geschichten haben immer einen brisanten Hintergrund, sie greifen Themen aus unserer Gesellschaft auf und entwickeln sich zu gar nicht mal so unwahrscheinlichen Alternativszenarien weiter. Für mich das einzige Manko: Am Ende folgt stets eine Art Bestandsaufnahme, was nun aus wem wird. Das verleiht der Handlung etwas Endgültiges, das wenig Freiraum für eigene Gedanken lässt. Andererseits ist man am Ende der Geschichte so damit beschäftigt, über das Thema nachzudenken, das im Kopf gar kein Platz mehr für Spekulationen über die Charaktere ist.

Gesehen

  • Breaking Bad, Staffel 1, Folge 1
  • Rico, Oskar und die Tieferschatten
  • Saving Mr. Banks
  • Serengeti
  • House of Cards, Staffel 1, Folge 1

Ich habe es endlich geschafft, mir selbst ein Bild von den im Moment so hochgelobten US-Serien House of Cards und Breaking Bad zu machen und muss zugeben, dass beide nichts für mich sind. Von House of Cards sah ich mir nur die erste Hälfte der Episode an, dann regten mich die extrem unsympathischen Figuren so sehr auf, dass ich am liebsten den Fernseher zertrümmert hätte. Ich beschloss also, dass diese Serie meiner allgemeinen Stimmung nicht wirklich zuträglich war, und hörte auf. Breaking Bad fand ich gar nicht so schlecht. Besonders der Teil, in dem Walter ohne Hosen mit dem Wohnmobil durch die Wüste donnert, im Gepäck zwei Leichen, war mir dann aber doch etwas zu abgedreht. Rico, Oskar und die Tieferschatten  nach dem Roman von Andreas Steinhöfel ist ein lustiger Kinderfilm, der nicht ganz an die Buchvorlage herankommt. Während des Buch auch für Ältere ein Genuss war, ist der Film wirklich vor allem für Kinder gedacht. Viel zu Lachen gibt es auf jeden Fall.

Der Blog

Wurde von anderen Dingen verdrängt und soll sich in Zukunft mit Rezensionen, Bildern von meiner sommerlichen Urlaubsreise an einen ganz besonderen Ort, Zeichnungen und mehr füllen. Auf bald!

Euer Schriftschnipsel

Wie man sich Zahlen merkt

Vor einiger Zeit habe ich darüber geschrieben, wie man mit Hilfe des Gedächtnispalastes oder ‚Mind Palace‘ Dinge in seinem Gehirn abspeichern kann. Doch Zahlen zeigen sich bei der Verwandlung in Bilder meist ziemlich widerspenstig. Wie man dieses Problem lösen kann, möchte ich in diesem Beitrag erklären:

 Die Zahlenform-Methode

Eine erste Möglichkeit, Zahlen in Bilder zu verwandeln ist die sogenannte Zahlenform-Methode. Dabei stellen wir uns jede Ziffer als ein Bild vor, das dieser ähnelt. Die 0 wird zum Beispiel ein Fußball, die 1 eine Kerze, die 2 ein Schwan und so weiter. Mit diesen Bildern können wir dann eine Geschichte bilden, um uns die richtige Reihenfolge zu merken.
ZahlenformDas ist natürlich nur ein Beispiel für die Umformung von Zahlen in Bildern. Statt der Schlange kann man auch ein Seepferdchen oder statt der Klippe einen Bumerang verwenden. Hauptsache, ihr verknüpft das Bild auf Anhieb mit der Zahl.

Die Zahlenreim-Methode

Eine weitere Methode besteht darin, jede Ziffer in ein Wort zu verwandeln, das sich auf diese reimt. So wird die Neun zum Beispiel zur Scheun‘ und die Acht zum Schacht. Damit wir zwei und drei nicht verwechseln, verwenden wir für die Zwei nur einsilbige und für die drei nur zweisilbige Reime. Wichtig ist auch hier, die entstandenen Wörter vor sich zu sehen und in ein Bild zu verwandeln.

Das Major-System

Das Major-System wird oft benutzt, um sich längere Zahlen zu merken. Auch hierbei sehen wir uns wieder die einzelnen Ziffern an. Dann verwandeln wir diese Konsonanten, bilden aus den Konsonanten Silben, aus den Silben Wörter, aus den Wörtern Sätze und, bei besonders langen Zahlen aus den Sätzen Geschichten. Eigentlich ist es egal, welche Konsonantengruppen man welcher Ziffer zuordnet, allgemein hat sich allerdings folgendes System durchgesetzt:

  • 0 = s, z, ß, ss => wie das englische Zero
  • 1 = t,d => t sieht der 1 ähnlich, d klingt ähnlich wie t
  • 2 = n => n hat zwei Beine
  • 3 = m => m hat drei Beine
  • 4 = r => 4 endet mir r
  • 5 = l => römisch 50 = L
  • 6 = ch, sch, j
  • 7 = k, ck, g, c (ausgesprochen wie k) => 7 ist eine Gckszahl
  • 8 = f, v, w, ph => In Physik geht es um Unendlichkeit (gedrehte 8), der V8-Motor
  • 9 = p, b => 9 ist gespiegeltes p, um 180° gedrehtes b

So können wir zum Beispiel aus der Zahl 3804552 den Satz Mofas rollen bilden. Die Vokale setzen wir dabei einfach in die Lücken, um ein richtiges Wort herzustellen.

Der Nachteil am Major-System ist meiner Meinung nach, dass man nicht immer passende Wörter findet, die dann auch noch eine sinnvolle grammatikalische Reihenfolge ergeben. Wenn wir dieses Problem bei langen Zahlen vermeiden wollen, können wir zum Beispiel das Dominic-System anwenden, das ich in einem weiteren Post erklären werde.

Monatsrückblick Juli

Schon wieder geht ein Monat zu Ende. Ohne, dass es mir so richtig bewusst geworden ist, ist schon wieder mehr als die Hälfte des Jahres vorbeigeflogen. Die Tage werden bereits kürzer, das Wetter probt ein wenig für den Herbst und die Sommersachen gibt es im Angebot. Rückblick auf einen Monat wechselhaften Hochsommer:

Gelesen

Diesen Monat hatte ich scheinbar wirklich wenig Zeit. Wie sonst ist es zu erklären, dass ich gerade einmal ein Buch gelesen habe, noch dazu ein dünnes? In meiner Zeitungslese-Manie komme ich einfach nicht dazu, mich in Geschichten zu versenken. Deshalb bleibt The Sign of the Four von Sir Arthur Conan Doyle auch allein auf der Leseliste für Juli. Traurig, aber wahr.

Gehört

Meine Ohren haben in diesem Monat vor allem mein eigenes, mehr oder weniger erträgliches Gitarrenspiel vernommen. Inzwischen verfüge ich über eine kleine Palette an Liedern, die ich sicher mitspielen kann. Allerdings wird es wohl noch eine ganze Weile dauern, bis sich dieses Repertoire über die einfachen Akkorde ohne Barré-Griffe hinausbewegt.

Gesehen

Dass ich so wenig gelesen habe, könnte auch daran liegen, dass ich meine Abende wieder mehr mit Fernsehen verbringe. Diesen Monat bestand das Programm aus einer Mischung aus beachtlichen Geschichten und Kindheitserinnerungen. Ich sah

  • Mary Poppins mit Julie Andrews und Dick van Dyke
  • Twelve Years a Slave von Regisseur Steve McQueen
  • Die Verfilmung des Miss-Marple-Romans 16 Uhr 50 ab Paddington
  • Catch me if you can mit Leonardo DiCaprio und Tom Hanks
  • SHERLOCK Folge 2.1 und 2.2
  • Harry Potter und der Stein der Weisen

Fast alle dieser Filme und Serien habe ich schon einmal gesehen. Nur Twelve Years a Slave war vollkommen neu. Meine Meinung dazu findet Ihr hier. Zu Sherlock habe ich bereits solche Menge geschrieben, dass weitere Schwärmereien kaum notwendig sind. Mary Poppins ist einfach wunderbar anzusehen und anzuhören. Besonders beeindruckend sind die für die damalige Zeit herausragenden Spezialeffekte und die großartige Musik. Der erste Harry-Potter-Film gehört immer noch zu meinen Lieblings-Teilen. Da ist die Welt noch einigermaßen in Ordnung. Der Fokus liegt auf der magischen Schule und den alltäglichen Abenteuern der Zauberschüler, die düstere Stimmung der kommenden Jahre wird nur angedeutet. Catch me if you can ist ein toller Film mit einer faszinierenden Hauptfigur. Wie Leonardo diCaprio als Frank William Abagnale mit seiner gewinnenden Art allen ein Schnippchen könnte ich mir wieder und wieder ansehen.

Der Blog

Nun, viel war es nicht, dass diesen Monat entstand. Meine guten Vorsätze scheinen immer nur einige Tage zu halten, dann verblassen sie und lösen sich in Luft auf. Trotzdem viel Spaß beim Lesen des wenigen, das zusammengekommen ist.

Twelve Years a Slave – Rezension

Das Filmdrama „Twelve Years a Slave“ von Regisseur Steve McQueen geht unter die Haut. Erstens, weil die Schauspieler allesamt großartig spielen, zweitens, weil die Musik effektvoll eingesetzt wird und drittens, weil es von einer wahren Geschichte erzählt.

Der Plot

Twelve Years a Slave handelt von dem Afro-Amerikaner Solomon Northup, der als Schreiner und Geiger im Norden der USA lebt. Der Film spielt in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als in den Nordstaaten die Sklaverei schon weitgehend abgeschafft, in den Südstaaten aber noch gang und gäbe war. Solomon (Chiwetel Ejiofor) wird in Washington entführt und per Schiff in den südlichen Teil der USA verfrachtet, wo er von nun an als Sklave arbeiten muss. Zuerst kommt er zu Plantagenbesitzer William Ford (Benedict Cumberbatch). Doch Solomon begehrt immer wieder gegen sein Schicksal auf und gerät so bald mit dem Aufseher John Tibeats (Paul Dano) aneinander. Bald ist sein Leben deshalb in Gefahr und so wird er dem als ‚Niggerbrecher‘  berüchtigtem Baumwollfarmer Edwin Epps (Michael Fassbender) verkauft. Er muss von nun an als Baumwollpflücker arbeiten. Mit der Zeit wird Solomon zu einer Vertrauensperson für die Sklavin Patsey (Lupita Nyong´o), die den ständigen Nachstellungen von Epps ausgesetzt ist. Solomon scheint sein Unglück immer mehr zu akzeptieren. Doch dann taucht in der Gestalt des kanadischen Schreiners Samuel Bass (Brad Pitt) eine Figur auf, die ihm womöglich helfen könnte.

Meine Meinung

Was Twelve Years a Slave zu einem so beachtlichen Film macht, ist die Tatsache, dass die Handlung auf einer wahren Geschichte beruht. Anders als zum Beispiel bei Django unchained steht kein zielgenauer Rächer, sondern ein normaler Mensch im Vordergrund. Die Grausamkeit der Sklaverei wird nicht nur durch die sinnlose Gewalt, sondern vor allem durch die psychischen und körperlichen Repressalien, denen die Sklaven dauerhaft ausgesetzt sind, deutlich. Eine angedeutete Vergewaltigung, mitternächtliche Tänze mit dem Zwang zur Freude, wenige, aber umso schlimmer anzusehende Peitschenspuren. Solomons Verzweiflung, keine Tinte herstellen zu können, die Bezeichnung ‚Nigger‘, der Mensch als Eigentum, mit dem man machen kann, was man möchte… Die Liste ist lang und ließe sich noch weiter fortsetzen.

Erschreckend ist hier nicht nur das, was gezeigt wird, sondern auch das, was geschieht, nachdem die Handlung bereits zur nächsten Szene gewandert ist. Da gibt es zum Beispiel die schwarze Frau, die von einem Matrosen weggeführt wird, nachdem dieser einen anderen Entführten erstochen hat. Da sind ihre Kinder, die auf dem Sklavenmarkt von ihr und voneinander getrennt werden und im Film nicht mehr auftauchen. Da ist sie selbst, die, als Solomon weiterverkauft wird, mit ihrem Kummer allein bleibt. Da ist ein Sklave namens John, der auf der Baumwallplantage tot zusammenbricht. Da ist Patsy, die Solomon verzweifelt darum bittet, dass er sie tötet, und die dann doch mit blutunterlaufenen Augen weiterarbeitet. All diese abgebrochenen Geschichten geben dem scheinbaren Happy End einen bitteren, morbiden Beigeschmack. Das Leiden geht weiter, schreien sie.

Unterstützt wird die Stimmung des Films von Gospelgesängen, die daran erinnern, wo sie eigentlich herkommen. Die rauen Stimmen der Sklaven schallen in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den Himmel. Sie stehen im krassen Gegensatz zu den vorgeschobenen religiösen Argumenten der Plantagenbesitzer, die damit nur ihre Stellung rechtfertigen wollen. Zumindest ich werde von nun an immer, wenn ich einen Gospel höre auch an die Geschichte dahinter denken müssen.

Die Schauspieler

Nicht zuletzt sind es natürlich auch die Schauspieler, die den Film so herausragend machen. Ein Grund dafür, dass ich ihn mir angesehen habe, war Benedict Cumberbatch. Doch in diesem Ensemble spielen fast alle großartig. Nur Brad Pitt als einziger guter Weißer ist schlicht heldenhaft langweilig. Chiwetel Ejiofor als Solomon wirkt durch und durch authentisch. Paul Dano überzeugt als leicht durchgedrehter Feigling, der die Sklaven quält, um sein Selbstwertgefühl zu steigern. Lupita Nyong´o ist nicht nur wunderschön, es gelingt ihr auch großartig, zwischen Verzweiflung und Entschlossenheit zu wechseln oder sogar beides auf einmal zu zeigen. Besonders beeindruckend ist ihr unterdrückter Zorn, der sich in ihrer Mimik einen Kampf mit dem Überlebenswillen liefert. Den Oscar für ihre Rolle hat sie verdient.

Besonders faszinierend finde ich aber Michael Fassbender als skrupellosen Plantagenbesitzer. Es gibt eine Szene, in der so etwas wie Zweifel über sein Gesicht huschen. In dieser Sequenz sieht sein Gesicht plötzlich nicht mehr so hart aus wie sonst und man fragt sich für einen Augenblick, ob der Rest Menschlichkeit, der da durchschimmert, womöglich die Oberhand gewinnen kann. Dann verhärten sich seine Züge wieder und schlagen ins absolute Gegenteil um. Diese zwei, drei Sekunden sind eine schauspielerische Weltklasseleistung.

Das Fazit

Twelve Years a Slave ist ein Film, den man gesehen haben sollte. Leider verfälscht er die wahre Geschichte des Solomon Northup etwas, aber er schildert eindringlich und ohne falsche Übertreibungen oder Genugtuung das Grauen der Sklaverei. Ganz nebenbei stellt er ein Lehrstück in Sachen Mimik für angehende Schauspieler dar. Auf jeden Fall empfehlenswert!

Monatsrückblick Juni

Es wird Sommer. In den Schwimmbädern liegen zunehmend rote und braune Körper, die Hosen werden kürzer, die Tage auch schon wieder. Die Hitze nimmt zu, der Schweißgeruch ebenfalls. Ganz nebenbei erobern Eiskugeln und Sonnencreme unseren Alltag. Zeit, etwas verspätet auf den Monat mit den längsten Tagen zurückzublicken.

Gelesen

Diesen Monat bin ich wirklich so gut wie überhaupt nicht zum Lesen gekommen. Allerdings habe ich ein großes, dickes Buch begonnen, das mich wohl noch einige Zeit beschäftigen wird. Der Titel: The Complete Stories of Sherlock Holmes by Sir Arthur Conan Doyle. Ich lese jeden Tag ein paar Seiten, und bin inzwischen auf Seite 200 von ca 1400 angekommen. Immer wieder stoße ich beim Lesen auch auf Dialoge oder Szenen, die in irgendeiner Weise in die Serie SHERLOCK übernommen wurden. Es macht unglaublich Freude, all diese Anspielungen zu finden.

Ganz nebenbei sind die Geschichten auch noch großartig. Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür dafür, wie Sherlock arbeitet und versucht, den ein oder anderen Fall selbst zu erraten. Leider ist Sherlock meist schneller.

Hier also die Liste:

  • Ruhm von Daniel Kehlmann
  • A Study in Scarlet von Sir Arthur Conan Doyle
  • Der Sturz. Abu Chanifa und Anan ben David. Smithy. Das Sterben der Pythia von Friedrich Dürrenmatt
  • Vernichtet von Terri Tery

Wie jedes Mal ist es im Nachhinein mehr als ich angenommen hätte. Und wie jedes Mal kann ich Euch das meiste nur wärmstens empfehlen. Dürrenmatt ist inzwischen mein absoluter Lieblingsautor. Das oben angegebene Buch besteht aus einer Sammlung aus Erzählungen, allesamt toll geschrieben und mit viel Nährwert. Ruhm von Kehlmann setzt sich ebenfalls aus mehreren Geschichten zusammen, allerdings sind diese miteinander verbunden und verknüpft. Nicht umsonst lautet der Untertitel von Ruhm „ein Roman in neun Geschichten“.

Gehört

Diese Liste bleibt leer. Ich hörte im vergangenen Monat ausschließlich Musik, keine Hörbücher oder Hörspiele. Warum weiß ich selbst nicht genau. Ich sollte mal wieder in unsere Stadtbücherei und mir ein bisschen Futter für die Ohren zulegen.

Gesehen

Auch in dieser Beziehung war der Monat eher mäßig. Ich sah mir – mal wieder – einige Folgen SHERLOCK an. Diesmal waren es die drei Episoden der ersten Staffel. Außerdem sah ich mir den Film zu Ruhm an. Dort spielen einige bekannter deutscher Schauspieler mit und die Geschichten fließen, wie im Buch auch, ineinander.

Der Blog

Der Juni war der Monat, der bisher die meisten Besucher brachte. Danke an Euch alle fürs Vorbeischauen, Lesen und Kommentieren.

 

Warten auf Sherlock

Qualität hat ihren Preis. Im Falle von „Sherlock“, der grandiosen BBC-Serie besteht dieser Preis für die Zuschauer darin, scheinbar ewig auf eine neue Staffel warten zu müssen und dann nach zwei Wochen und drei Folgen alle Episoden hinter sich zu haben. Fans der Serie brauchen viel Geduld – und ein anständiges Zwischenprogramm für voraussichtliche zwei Jahre Wartezeit.

Es ist noch gar nicht lange her, da konnte ich mich mit der Tatsache trösten, Staffel drei wenigstens noch auf deutsch vor mir zu haben. Doch auch dieses Beruhigungsmittel ist jetzt aufgebraucht und so muss ich nach neuen Möglichkeiten suchen, meine leichte Besessenheit auszuleben.

Eine Variante ist das Lesen der zahlreichen Fanfictions, die auf Foren und Blogs kursieren. Leider stolpert man hier bei mindestens der Hälfte der Geschichten über Johnlock-Paarungen, die zwar manchmal ganz lustig sind, aber meiner Meinung nach den Charakter der Serie nicht treffen. John hat absolut recht, wenn er sagt: „I´m not actually gay.“

Trotzdem gibt es die ein oder andere sprachlich gelungene und inhaltlich spannende Geschichte. Drei der Besten möchte ich hier vorstellen:

  • Die Entdeckung von Sozio von Sherly Reid handelt vom jungen Sherlock. Die Fortsetzungsgeschichte hat inzwischen mehr als sechzig Kapitel und thematisiert viele der Charakterzüge, die auch der erwachsene Sherlock hat. Manches ist etwas kurz dargestellt, aber der Konflikt zwischen Sherlock und seinem Bruder Mycroft, Sherlocks Drogenkonsum und seine Deduktionsgabe kommen gut zum Vorschein. Nicht zuletzt liefert Sherly eine kreative Begründung, wie es zu der Bezeichnung „high functioning sociopath“ / „hochfunktioneller Soziopath“ kam.
  • In How I became a self-machine von Calad und hanyacala geht es ebenfalls um Sherlocks Vergangenheit. Die ist ein wenig düsterer geschildert als bei Sherly, überzeugt durch einen guten Schreibstil und beleuchtet besonders die Beziehung zwischen Mycroft und Sherlock. Die Kindheit der beiden ist in Form von Rückblenden geschildert, die Gegenwart ist die Zeit nach dem Reichenbachfall, wobei Mycroft nicht weiß, dass sein Bruder noch lebt. Zwei Männer stehen im Regen, der eine beobachtet den anderen. Beide erinnern sich an früher.
  • Wer mit der englischen Sprache zurecht kommt, der kann es mal mit Keep your enemies closer von Ink Spotz probieren. Das ist eine Fortsetzungsgeschichte, die zeitlich nach Staffel drei spielt. Auch hier geht es vor allem um die Beziehung Sherlock/Mycroft und auch wenn Sherlock teilweise ein bisschen dumm wirkt, ist es eine spannende und angenehm zu lesende Geschichte. Moriarty spielt auch mit, schließlich haben wir ihn ziemlich vermisst ;). Der Autor hat übrigens noch mehr über Sherlock geschrieben. Unter anderem eine unterhaltsame Kurzgeschichte, in der John versucht, Sherlock den Sinn von LOL und XD beizubringen.

Natürlich ist das nur eine winzige Auswahl der Geschichten, die sich in Foren zur Sherlock-Serie finden. Allein auf der englischen Seite Fanfiction.net findet man knapp fünfzigtausend, nur vier TV-Serien haben dort mehr Einträge. Somit erhebt diese Liste keinerlei Anspruch darauf, wirklich die besten Beispiele herausgepickt zu haben. Ich möchte Euch ganz im Gegenteil dazu einladen, selbst zu stöbern. Falls Ihr auf eine besonders gute Geschichte stoßt, freue ich mich über einen Hinweis in den Kommentaren.

 

Mary Morstan und … DU!

Es ist soweit: In Folge zwei der dritten Staffel duzen sich Sherlock und John … endlich! Die Szene, in der John Sherlock fragt, ob er sein Trauzeuge sein möchte, haben die Übersetzer zum Anlass genommen, die Freunde endlich zum „Du“ übergehen zu lassen. Das war mehr als überfällig. Trotzdem fühle ich mich jetzt für das Siezen in der vorherigen Folge ein wenig entschädigt, war die Szene doch wirklich ein passender Anlass.

Andere Auffälligkeiten in der Übersetzung der zweiten Folge: Aus Mangel an Alternativen hat man sich dafür entschlossen, auch auf Deutsch den Begriff „Best Man“ zu verwenden. Das klingt zwar beim ersten Hören leicht verwirrend, war aber eigentlich abzusehen. Denn von Trauzeuge zu „bester Mann“ und „bester Freund“ zu kommen ist schlicht und einfach ein Ding der Unmöglichkeit.

Ich entschuldige mich übrigens für die horrende Anzahl von Beiträgen über die Sherlock-Serie. In Zukunft werde ich garantiert auch wieder über Anderes schreiben. Bis dahin müsst Ihr leider die Nebenwirkungen meiner Sherlock-Holmes-Sucht ertragen.